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Verbände und Lehrende sind oft verstrickt in Kommerz, Lobbyismus und Loyalität

Anstatt falsche Lehr-Inhalte zu korrigieren werden Forschungen ignoriert und Fakten kleingeredet

Zudem ist ihr traditionell-esoterischer Moralkodex unvereinbar mit Güte-Kriterien westlicher Erwachsenenbildung

Mein Alternativ-Ansatz schafft ein umfassendes Korrektiv für Fehlentwicklungen wie Fundamentalismus, Folklore und Beliebigkeit

Kern-Bereiche sind Lernen und Lehren nach ideologie-freien Qualitätsstandards, Fakten-Treue, Unabhängigkeit sowie innere Weiterentwicklung

Das Tai-Chi-Prinzip

Hinter den hier behandelten Essentiellen Punkten steht das "Yin-Yang-Prinzip". Es ist der zugrundeliegende chinesische kulturell-philosophische Hintergrund, das Tai-Chi-Prinzip, nach dessen Gesetzmäßigkeit der Ausgleich von Yin und Yang in einem komplementären Wechselspiel von Gegensätzen erfolgt. Es berührt viele Praktizierende tief und nachhaltig, denn es kann Halt bei der Sinnsuche in einer sich ständig ändernden Welt geben. Das übergreifende "Tai-Chi-Prinzip" beschreibt im Daoismus die "höchste, äußerste Wahrheit" und wird im Zusammenhang mit dem "Yin-Yang-Prinzip" erläutert.

Prinzipien des Tai Chi Chuan

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBDie "Yang Style Essentials" wurden persönlich erläutert von Meister Yang Zhenduo in Hamburg für Schüler von Dr. Stephan Langhoff. Seine Reihenfolge der Prinzipien weicht gelegentlich ab von der originalen Reihenfolge von Yang Chengfu. Experten halten die abweichende Reihenfolge, die von Yang Zhenduo in Europa und USA unterrichtet wird, für didaktisch besser und klarer.

Die zehn Tai-Chi-Prinzipien des Yang-Stils gemäß Yang Chengfu und Yang Zhenduo

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBSeit ich mich vor vielen Jahren erstmalig mit Yang Chengfus Sehweise zum Yang-Stil beschäftigt habe, ist viel Zeit vergangen. Meine Beurteilung ist seither wesentlich differenzierter und kritischer geworden. Taiji-Qigong-Verbände sind mir dabei nicht gerade aufgefallen als Hüter der Wahrheit; eher sind sie eifrig bemüht, langgehegte Vorurteile und Schönfärberei am Leben zu halten. Gerade Laien wird dadurch der Blick auf die Fakten oft systematisch verstellt. Den vielen "Yang-Chengfu-Glaubensgemeinschaften", die die Prinzipien immer noch als in Stein gemeißelte "Tai-Chi-Gebote" und erhaben über jede Kritik ansehen, kann ich nichts abgewinnen - sie disqualifizieren sich selbst, wenn sie "GLAUBEN-MÜSSEN" dem "WISSEN-WOLLEN" vorziehen, weil sie anders nicht im Ranking aufsteigen können (!).

Die hier folgende Darstellung basiert eher auf meiner damaligen Kenntnis - sie soll ja die Yang-Zhenduo-Seminare des Jahres 1994 und seine zusätzlichen Unterweisungen widerspiegeln. Aktuelle Kritik ist hier veröffentlicht: Prinzipien / Essentials Yang Chengfu-Tai-Chi.

Die zehn Tai-Chi-Prinzipien als "Kitt zwischen Verbänden"

Die internationale Verbände-Szene tut sich schwer mit gegenseitiger Anerkennung und legt ihren Schwerpunkt in Alleinvertretung und Deutungshoheit. Doch die Erfahrung zeigt, daß damit niemandem gedient ist. Ich schlage vor, Yangs "Essentielle Punkte" als eine Art Grammatik zu begreifen, die wie bei Sprachen Gemeinsamkeiten der Grundlagen von Organisationen aufzeigen kann. Die Prinzipien wären dann eine Art "Verbände-Kitt" auf dessen Basis besser Gemeinsamkeiten und Unterschiede debattiert, erforscht und recherchiert werden könnten.

Die zehn Tai-Chi-Prinzipien des Yang-Stils

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBWie andere chinesische Kampfkünste auch hat das "Schattenboxen" überlieferte traditionelle Leitlinien als Richtschnur für das korrekte Üben. Die "Essentiellen Punkte" umfassen gleichermaßen Theorie und Praxis des Tai Chi Chuan, das für mich die drei Aspekte Gesundheit, Innere Kampfkunst und Meditation zu einer perfekten Ganzheit kombiniert. In ihrer Gesamtheit liefern diese "important points" einen grundlegenden Rahmen für umfassendes lebenslanges Taiji-Lernen auf hohem Niveau. Diese Vorgaben bilden eine unverzichtbare Anleitung ohne die korrekte Üben unmöglich ist. Anders gesagt, wird man ohne ihr striktes Befolgen keinen großen Erfolg haben. Gefordert sind auf diesem Wege nicht nur hohe Aufmerksamkeit sondern stetige Geduld und Ausdauer. Die Prinzipien sind keinesfalls abstrakte Konzepte oder entkörperlichte Qualitäten, sondern ganz konkret die kombinierten Erfahrungen von Meistern im Bereich von Körper und Geist. Dem Schüler geben sie eine Leitlinie zur Anwendung und Organisation. Ihr Befolgen führt zur Verbesserung der Form - insbesondere zu Verfeinerung von Haltung, Bewegung und geistiger Aktivität. Es entsteht der wunderbare Ausdruck von Anmut, Balance und Kraft im Yang-Family-Taijiquan.

Die zehn Grundlagen des Tai Chi Chuan wurden erstmalig mündlich gelehrt von Yang Chengfu. Schriftlich aufgezeichnet wurden sie von seinem Senior-Schüler Chen Wei-ming, der seinem Lehrer auch beim Schreiben seiner drei Hauptwerke unterstützte. Diese "Essentiellen Punkte" bilden sie seither die Trainingsgrundlage aller Praktizierenden des "Yang-Chengfu-Tai-Chi-Chuan" in aller Welt. Sie bilden sozusagen das "Grundgesetz des Yang-Stil-Taijiquan". Sie werden im folgenden übersichtlich aufgelistet mit den Yang-Chengfu-Kommentaren und kurzen DTB-Kommentaren. Eingearbeitet wurden wertvolle Anregungen aus dem Buch "Yang Style Taijiquan" von Yang Zhenduo Morning Glory Publishers, Peking, 1988. Einbezogen wurden Aussagen von Louis Swaim, Fu Zhongwen, T. Threadgill. Benutzt wurden auch Einschätzungen von Jerry Karin. Den Ursprung bildet TALKS ON THE PRACTICE OF TAIJIQUAN. (Die Quelle ist nicht mehr vorhanden: http://www.sataichi.com/writings.html#A1).

Multimedia-Stundenbild "Die 10 Tai-Chi-Prinzipien"

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBAuch mein Multimedia-Stundenbild kann helfen, die kompexen Anweisungen übersichtlich zu strukturieren. Es ist ein sehr detailliertes Stundenbild und kostenlos downloadbar bei der Arbeitsgruppe Yang Chengfu Tai Chi Center. Der Überblick ist Grundlage der europa-weiten EU-Zertifizierung des Dt. Taichi-Bundes - Dachverband für Taichi und Qigong ev und dem Tai Chi Zentrum Hamburg ev. Dem Projekt haben sich bereits mehre Taiji-Qigong-Verbände angeschlossen. Quelle: Arbeitskreis EU-Zertifizierung / Zentralverband; ZPP-Zulassung: Manuskripte Qigong Tai Chi Ausbildung Göttingen.

Die 10 Tai-Chi-Prinzipien (Original-Reihenfolge von Yang Chengfu)

Yang Chengfus Zehn Essentielle Punkte sind mittlerweile in eine Vielzahl von Sprachen übersetzt. Dabei gibt es naturgemäß sehr unterschiedliche Interpretationen - kein Wunder, denn an vielen Stellen ist schon Yang Chengfus Original vage und nicht immer logisch strukturiert. Hinzukommt die Schwierigkeit, daß ja auch die "Taiji-Klassiker", auf die sich der Altmeister bezieht, unspezifiziert und mehrdeutig waren.

Altmeister Yang Chengfu betonte in frühen Jahren 13 grundsätzliche Prinzipien, aus denen erst später 10 zum heute noch gebräuchlichen Standard wurden. Es fielen folgende drei weg, ohne dass der Text der übrigen geändert wurde (!):

  • Das Qi sinkt in das Dantian
  • Absicht und Qi interagieren
  • Bewegung und Stillstand sind verbunden

1.) Leer, lebendig, hochdrückend und energisch

虛靈頂勁

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTB"Leer, lebendig, hochdrückend und energisch" bedeutet, dass die Haltung des Kopfes aufrecht und gerade ist und der Geist in den Scheitel einfließt. Man darf keine Kraft benutzen und nicht angespannt sein. Dies macht die Rückseite des Nackens steif, woraufhin das Qi und das Blut nicht frei zirkulieren können. Ohne "Leer, lebendig, hochdrückend und energisch" ist man nicht in der Lage sein, den Geist zu erheben. Dieses Prinzip ist wahrscheinlich die am schwersten übersetzbare Formulierung in der Taiji-Literatur. Man deutet jedes der vier Worte als Funktion des Prädikats oder einer Verbphrase. Ein anderer gut möglicher Zugang wäre, die ersten beiden Worte als adverbial und die letzten beiden als Prädikat des Subjekts aufzufassen: Lehr und lebendig, der Scheitel ist energetisch. Viele weitere Interpretationen sind möglich.

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Der Kopf wird so gehalten, als läge etwas auf ihm oder als würde ein Faden ihn aufrichten. Die Übersetzung "eine unfaßbare lebendige Energie hebt den Scheitel" sind fremd und nur schwer verständlich. Gleiches gilt für "Die Energie auf dem Scheitelpunkt sollte leicht und sensitiv sein". Louis Swaim listet nicht weniger als vierzehn unterschiedliche Deutungen. Der Grundgedanke ist, dass der Kopf sich streckt, sodass der Nacken gerade wird. Dies soll natürlich vor sich gehen und darf nicht erzwungen aussehen. Der Blick geht geradeaus und soll nicht starr oder „tot“ wirken. Es ist als ob man etwas auf dem Kopf balancieren würde. Im Kopfbereich und besonders im Blick kann sich dann der Wille oder Geist ("spirit") manifestieren. Der Mund bleibt auf eine natürliche Art geschlossen. Die Zunge wird nach oben gebogen, sodass die Zungenspitze hinter die oberen Zähne zu liegen kommt. Auch dies soll nicht übertrieben werden, sondern sich auf eine natürliche Art einstellen. Bei abwärts stoßenden Bewegungen wie etwa „Nadelin den Meeresboden“ folgen Blick und Kopf der Bewegungsrichtung.

2.) Die Brust einbehalten und den Rücken dehnen

含胸拔背

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBMan hält die Brust leicht nach innen, so dass der Atem bis zum Dantian (Unterbauch) sinken kann. Der Ausdruck "das Brustbein einbehalten" bedeutet, dass die Brust leicht nach innen zurückgehalten wird, was dazu führt, dass das Qi in das Zinnoberfeld fällt (dan1 tian2). Die Brust darf nicht herausgestreckt werden. Sonst wird das Qi in der Brustregion blockiert, der Oberkörper wird schwer, man wird "kopflastig und die Hacken könnten leicht werden. "Den Rücken leicht runden" lässt das Qi auf dem Rücken kleben. Durch Einbehalten der Brust, kann sich die Wirbelsäule leicht dehnen. Nur wenn man den Rücken leicht rundet und aufrichtet, kann man auf natürliche Art seine Kraft aus der Wirbelsäule kommen lassen, der andere nicht widerstehen können.

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Die korrekte Position von Brust und Rücken sind ein wichtiger Punkt. Der Brustkorb soll auf natürliche Weise gehalten werden, d.h. weder künstlich herausgestreckt noch zu sehr nach innen eingesunken sein. Es stellt sich eine leichte Rundung ein. Auf diese Weise können sich die Schultern frei bewegen. Im< Rücken soll sich ein rundes und gleichzeitig gestrecktes Gefühl einstellen: Von der Hüfte aufwärts kann so die innere Kraft aus der Wirbelsäule bis in die Finger aufsteigen und es kommt zu der angestrebten Ganzkörperbewegung. Meister FU sagt: „Wie eine Katze vor dem Sprung auf die Maus...“

3.) Die Taille entspannen

鬆腰

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBFür den menschlichen Körper ist die Taille der dominierende Teil. Die Taille ist der Kommandant des ganzen Körpers. Bei entspannter Taille haben beide Beine Kraft und der Unterkörper ist stabil. Der Wechsel von leer und voll (4. Prinzip) ergibt sich aus der Drehung der Taille. Daher das Sprichwort: "Die Quelle von Leben und Denken liegt in dem kleinen Zwischenraum der Taille" oder "Vitalkraft kommt aus der Taille." Aus chinesischer Sicht faßt man die Taille auf als den Raum zwischen zwei Wirbeln und nicht so sehr als eine Art Gürtel um die Körpermitte. Wenn es der Ausführung der Taiji-Form an Kraft fehlt, liegt der Fehler in der Taille und in den Beinen. Alle Bewegungen hängen von der Wirkung der Taille ab, wie das Sprichwort sagt: Ungenaue Bewegungen im Taijiquan ergeben sich oft aus den Fehlbewegungen der Taille.

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Dieses Prinzip wird oft als das wichtigste angesehen! Ein entspanntes Kreuz sorgt für eine stabile, zentrierte Körperbasis und verleiht die angestrebte innere Spannkraft. Bei angespanntem Kreuz kann das Qi nicht sinken und die Kraft kann nicht übertragen werden. Man kann die Taille mit dem leichtgängigen Steuerrade eines Autos vergleichen. Hilfreich ist das Massieren des "Mingmen".

4.) Die Leere und Fülle unterscheiden

分虛實

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBIn der Kunst des Taijiquan ist es die wichtigste Regel, zwischen "Xu" (leer) und "Shi" (fest) zu unterscheiden. Wenn der ganze Körper auf dem rechten Bein sitzt, wird das rechte Bein als "voll" und das linke als "leer" betrachtet. Wenn der ganze Körper auf dem linken Bein sitzt, wird das linke Bein als "voll" und das rechte als "leer" betrachtet. Erst wenn man in der Lage ist, voll und leer zu unterscheiden, werden Drehbewegungen leicht, flink und mühelos; sonst wird man langsam und schwerfällig in den Bewegungen und man kann nicht stabil und fest auf den Füßen bleiben. Für einen Gegner ist es dann leicht, einen unter Kontrolle zu halten.

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Dieses Prinzip behandelt das für Tai Chi typische Verlagern des Körpergewichts auf lediglich ein Bein. Dies ermöglicht ja erst die anmutigen, fließenden Schrittfolgen - besonders wenn sie, wie gefordert, in Zeitlupe ausgeführt werden. Dabei wird das belastete Bein als voll und das unbelastete als leer bezeichnet. Ihr stetig wechselndes Zusammenspiel ist ein wichtiger Aspekt der Yin-Yang-Theorie, die dem Tai Chi zugrundeliegt. Viele Zusatzpunkte gehören hierher, z.b. die Fußhöhlung und das Nachaußendrücken der Knie.

5.) Schultern sinken lassen und Ellbogen loslassen

沈肩墜肘

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBMan hält die Schultern in einer natürlichen, entspannten Position. Wenn man die Schultern hebt, wird das Qi mit ihnen aufsteigen und der ganze Körper wird die Kraft verlieren. Man sollte auch die Ellenbogen gesenkt halten. Mit erhobenen Ellbogen können die Schultern nicht sinken und man wird einen anderen nicht weit stoßen können. Dies wäre wie die "abgeschnittene Energie" der externen Kampfkünste. Diese, zu ihnen gehört auch Shaolin, hat man sich so zu denken, als würden sie Energie nur von Teilen oder Sektionen des Körpers nutzen und nicht wie beim Tai Chi als "Ganz-Körper-Energie" (als "ein Qi").

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Dieses Prinzip hilft nachhaltig, den häufig zu beobachtenden Fehler zu vermeiden, dass man unbewußt die Schultern anhebt und anspannt. Das Tai Chi wird dadurch kraftlos und die Bewegung ist keine Ganzkörperbewegung mehr. Bei den Ellbogen ist zu beachten, dass sie weder allzu passiv hängen gelassen werden noch zu steif nach außen gedreht werden. Oft äußert sich diese „Steifheit“ auch in der Haltung der Handflächen, des Handgelenks und der Finger und mindert so auch die Wirksamkeit als Kampfkunst beim Stoßen und Greifen.

6.) Kraft des Geistes statt Körperkraft

用意不用力

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBDie Taiji-Klassiker sagen: "Dies ist eine Frage der Verwendung von Absicht / Bewußtheit statt Kraft" oder "Das nutzt den Verstand, nicht die Gewaltkraft."

Beim Praktizieren von Taijiquan ist der gesamte Körper entspannt und gedehnt. Es gibt nicht das geringste Quäntchen von roher oder unbeholfener Kraft. Dies würde Venen oder Gelenken blockieren und so die Bewegung des Körpers behindern. Nur so wird man in der Lage sein, sich kreisend natürlich und leicht zu verändern. Doch wenn ich keine Kraft verwende, wie kann ich trotzdem Kraft erzeugen?

Das Netz der Akupunktur-Meridiane und -Kanäle im ganzen Körper ist wie die Wasserwege auf der Erde auch: Wenn die Wasserwege nicht blockiert sind, zirkuliert das Wasser, wenn die Meridiane nicht behindert werden, zirkuliert das Qi. Wenn also das Jingluo nicht behindert wird, zirkuliert die Lebensenergie ungehindert im Körper. Aber wenn das Jingluo mit roher Kraft gefüllt ist, können die Lebensenergie und das Blut nicht zirkulieren und folglich kann sich der Körper nicht mit Leichtigkeit bewegen. Man sollte daher den Geist anstelle von Kraft verwenden, damit die Lebensenergie der Führung des Geistes oder des Bewusstseins folgt und im ganzen Körper zirkulieren kann.

Durch beharrliche Praxis wird man echte innere Kraft haben können. Ein Meister des Taijiquan hat Arme, die so stark sind wie Stahlstäbe, die mit Baumwolle oder Seide umwickelt sind, mit ungeheurer Kraft, die darin verborgen ist. Das ist es, was die Taiji-Klassiker bedeuten: "Nur wenn man extrem weich ist, kann man extreme Härte erreichen."

Kämpfer der "Äußeren Schule" sehen kraftvoll aus, wenn sie Kraft ausüben. Es ist also nur eine Art oberflächliche Kraft. Aber wenn er keine Kraft anwendet, ist er sehr leicht und schwebend. Dadurch können wir sehen, dass seine Kraft tatsächlich äußere oder oberflächliche Stärke ist. Die Kraft, die von externen Kampfkünstlern verwendet wird, ist besonders leicht zu führen oder abzulenken, daher ist sie nicht von großem Wert.

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Anmerkung: Kämpfer der "Äußeren Schule" sind ein Zweig des Wushu mit Betonung des Angriffs, im Gegensatz zu der "Inneren Schule", die den Schwerpunkt auf Verteidigung legt. Diese weit verbreitete Meinung ist eine Fehleinschätzung, die leicht zu widerlegen ist.

Gemäß der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) gibt es im menschlichen Körper ein System von Wegen, die Jingluo (oder Meridian) genannt werden, die die Eingeweide mit verschiedenen Teilen des Körpers verbinden, wodurch der menschliche Körper ein integriertes Ganzes wird.

Es geht beim Tai Chi nicht um den Einsatz roher, ungeschulter Körperkraft, denn diese führt zu steifen Bewegungen, sondern es geht um die Nutzung der Vorstellungskraft, der Intention. Es geht um die Entwicklung innerer Kraft, die in den Meridianen im entspannten Zustand am besten fließen kann und mithilfe des Geistes kontrolliert und kanalisiert werden soll. Dieser gelöste und entspannte Zustand darf jedoch, so betont Yang Zhenduo immer wieder, nicht mit Schlaffheit verwechselt werden! Die „innere Kraft“ erwächst, so zeigt Forschung durch Faszien-Training. Dies wird erst durch vieles und intensives Üben voll entwickelt und ist dem Schmieden und Härten von Stahl vergleichbar. Man sagt: „Die Arme sind wie Eisen in Seide verpackt“. Die Sehnen, Knochen und Muskeln müssen dabei koordiniert in einer Ganzkörperbewegung ähnlich einer Meereswoge oder einem prallen Ballon zusammenwirken. Es ist gut mit "Hydraulik-Phänomenen" vergleichbar.

7.) Unten und oben des Körpers koordinieren

上下相隨

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBIn den Taiji-Klassikern wird das Synchronisieren des Ober- und Unter-Körper erklärt. Nach dieser Theorie des Taijiquan ist die Wurzel in den Füßen, die Kraft wird durch die Beine geschickt: durch die Taille gesteuert und ausgedrückt durch die Finger. Die Füße, die Beine und die Taille bilden ein harmonisches Ganzes. Alles vervollständigt sich in einem einzigen Impuls." Wenn sich die Hände bewegen, bewegt sich die Taille und die Beine bewegen sich. Und der Blick bewegt sich mit ihnen. Nur dann können wir sagen, dass Ober- und Unterkörper synchronisiert sind. Wenn sich ein Teil nicht bewegt, dann ist es nicht mit dem Rest koordiniert.

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Das Synchronisieren der oberen und unteren Teil des Körpers ist eine große Herausforderung, aber diese Einheit ist essentiell - oben und unten müssen einander folgen. Anfänger begehen oft den Fehler, dass sie zwar die Arme langsam und gleichmäßig bewegen, aber bei den Schritten abrupte oder schnellere Bewegungen ausführen. Dies macht jedoch die geforderte Ganzkörperbewegung unmöglich. Hilfreich ist hierbei die genaue Berücksichtigung der Hüftbewegung. Die Wurzel der Bewegung liegt in den Füßen und soll über die Hüfte und die Wirbelsäule in die Arme gehen. Sie zeigt sich in den Händen! Hilfreich ist hier auch die Vorstellung der Sechs Harmonien

Inneres und Äußeres verbinden

內外相合

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBWas wir beim Taiji üben, hängt vom Geist ab, daher das Sprichwort: "Der Geist ist der General, der Körper seine Truppen". Wenn du deinen Geist einsetzen und erheben kannst, werden deine Bewegungen auf natürliche Art leicht und flink sein. Die Form wird leer und voll, offen und geschlossen sein. Wenn wir "offen" sagen, meinen wir nicht nur die Arme oder Beine öffnen; Die geistige Haltung und die Absicht müssen sich mit den Gliedmaßen öffnen. Wenn wir "nah" sagen, meinen wir nicht nur die Arme oder Beine; die geistige Einstellung muss sich mit den Gliedmaßen schließen. Wenn man Innen und Außen zu einem einzigen Impuls (zu einem Qi) kombinieren kann, wird daraus ein nahtloses Ganzes.

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Die Körper-Geist-Einheit ist beim Praktizieren essentiell. Der Körper repräsentiert das Äußere. Es soll mit dem Inneren eine harmonische Verbindung bilden. Mit dem Inneren ist der Geist, das Bewußtsein gemeint und insbesondere die ruhig-konzentrierte Absicht, die Bewegungen auszuführen. Die Kultivierung des Willens ist somit ein zentraler Punkt. Der Geist führt und der Körper führt aus, ohne dass sozusagen ein Haarbreit dazwischen liegt.. Das Innere soll sein wie ein verborgenes Schwert. Anders formuliert: Der Ausführende sollte ganz bei der Sache sein, mit Ernst und Hingabe wie ein guterSchauspieler (Vergleich von Yang Zhenduo).

Kontinuierliche Bewegung ohne Anfang und Ende

相連不斷

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBDie Kraft der "Äußeren Schule der Kampfkunst" ist eine erworbene, grobe Energie. Die Bewegungen haben einen Anfang und ein Ende. Sie sind nicht kontinuierlich, sondern werden aus- und eingeschaltet, wodurch Öffnungen entstehen, die man ausnutzen kann. Es gibt Zeiten, in denen sie andauert und Zeiten, in denen sie abgeschnitten ist, so dass die alte Kraft aufgebraucht ist und neue Kraft nicht hat Es gibt Momente, in dem es einfach ist, sich von einem Gegner einschränken zu lassen. Im Taijiquan konzentriert man die Aufmerksamkeit auf den Geist statt auf die Kraft. Die Bewegungen sind von Anfang bis Ende kontinuierlich und in einem endlosen Kreis "wie der Fluss Yangtse oder Gelber Fluß, der endlos weiterfließt" oder "wie man einen Seidenfaden vom Kokon abwickelt". Beides bezieht sich auf die Verbindung zu einem einzigen Impuls (einem Qi).

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Die Bedeutung der Kontinuität ohne jede Unterbrechung ist unverzichtbar. Die Wichtigkeit der Stetigkeit kann gar nicht überschätzt werden. Es geht insbesondere um Meditation, um die "mentale Kontinuität - dem Mitgehen-Können im Hier-und-Jetzt. Hier zeigt sich die ursprüngliche Verbindung des Tai Chi zur Kampfkunst, wo es um Leben oder Tod ging

10.) Suche die Ruhe in der Bewegung

動中求靜

Yang Chengfu Prinzipien Yang-Zhenduo-Seminar Hamburg, Lehrmittel DTBExterne Kampfkünstler wertschätzen springen und stampfen als Fähigkeiten, und sie tun dies, bis der Atem (Chi) und die Kraft erschöpft sind, so dass sie nach dem Üben außer Atem sind. Im Taiji benutzen wir Ruhe, um Bewegung zu dominieren, und selbst in Bewegung, haben wir immer noch Ruhe. Also, wenn man die Form übt, gilt: Je langsamer desto besser! So wird der Atem tief und lang, das Qi sinkt in das Zinnoberfeld (dan1 tian2) und natürlich gibt es keine schädliche Zusammenziehung oder Erweiterung der Blutgefäße. Wenn der Schüler es sorgfältig versucht, kann er die Bedeutung hinter diesen Wörtern verstehen.

Kommentar (THH-Skript Yang-Zhenduo-Seminar):

Tai Chi ist Meditation, eine “Stille-Übung”, wie man im Osten sagt. Das „Qi“ (Lebensenergie, Atem) soll in das „Dantien“ (Unterbauch, Kraftzentrum) sinken. Als gewünschte Folge stellt sich ein stabilisierendes Gleichgewicht ein sowie eine ruhige, stetige Atmung. In dem Bewegungablauf ohne körperliche Anstrengung und Anspannung wird auf schonende, natürliche Art die Atmung harmonisiert, intensiviert und angepaßt. Diese „Bauchatmung“ soll als voll und angenehm empfunden werden und sollte nicht passend zum Rythmus der Bewegungen „gemacht“ oder erzwungen werden. Bei genügender Praxis wird sie sich „von selbst“ einstellen. Sie läßt sich für Anfänger besonders leicht bei der Eröffnung üben: Beim Heben der Arme wird eingeatmet und beim Senken aus. Zudem wird die „geistige Mitte“, das innere Gleichgewichtauf eine heiter-gelassene Art gestärkt: Man schafft ein unerschütterliches Bewußtsein, Offenheit und Flexibilität - und stellt sein eigenes Ego in den Hintergrund. Es geht um die Beruhigung der Emotionen. Vorbild ist eine ruhige Wasseroberfläche, die alles unverfälscht widerspiegelt.

Lesetipp: Essential Yang Tai Chi Form von Yang Jun

Seine neu entwickelte neue Kurzform nennt der Linienhalter ausgerechnet "Essential Form" - ganz so als ginge es ihm dabei um die "Essentials" seines Urgroßvaters, also seinen "Zehn Prinzipien". Doch er sagt selbst, daß in dieser vereinfachten Form die "essentiellen Punkte" Yang Chengfus keine Rolle spielen. Worum geht es also in dem umstrittenen Geschäftsmodell des "Seattle-Clans"? Mehr dazu hier: Essentielle Kurz-Form und  Yang Juns Essentielle Taiji Form. Die Schülerschaft seiner Yang-Chengfu-Center ist - so schaut es aus - mit dem vollmundig angepriesenen "Tafelsilber der Familie Yang" nicht gut zu motivieren - oder hat man entdeckt, daß vieles an den vorgeblichen "Kronjuwelen" irreführend ist? Jedenfalls gibt es jetzt eine neue verkürzte Form, die lediglich 22 der 37 Figuren von Yang Chengfu benutzt. Will man mit dem "neuen Baby" dem massiven Mitgliederschwund von fast zwei Dritteln in nur einer Dekade entgegenwirken? Könnte eventuell die DTB-Aufklärung über das "Yang-Chengfu-Center-Syndrom", der sich ja etliche Institutionen angeschlossen haben, damit zu tun haben?